Lyrik 2015-17

Frühherbst

Es flog
ein goldenes Blatt,
hauchdünn,
als Trennscheibe
durch
mein Gehäuse,
durch
dein Gehäuse.

Am Anfang

Ich sah das du
zur Tür hinausgehen.
Mit Wortklammern hielt ich
es zurück.
Sein Klang verhallte,
kehrte doch
in meine Erinnerung zurück.
Immer liebte ich es mehr
als das ich, mit dem ich
begonnen hatte.
Das Wort am Anfang.
Viele Anfänge sind
gewesen.

Tafel

Am Tisch
vorbei
zu gehen,
der Decke
langen Stoff im Blick,
als sich die Tafel
dem Bild entfernt.
Ich sehe noch die
Krüge und Schalen,
wie sie standen
sowie
das Glas,
aus dem du
getrunken
hattest.

Sie

Sie
wusste
die rote Farbe,
ihr Leuchten
war ein dunkles,
gewachst
von Schönheit,
gebaut
aus Schmerz,
das Runde
ihre Idee.
Sie war
einzig
in ihrem
Verlies.

Rotblatt

Für sich
schien die Blüte.
Winter war
und in Blei und Kupfer
zog die Luft sich zusammen.
Es war ein Geruch von
verbissenem Gehölz.
Ein Ast, der drehte,
ohne Kontur,
daran ein
verlorenes
Rotblatt
hing.

Ferne

Da kamen wir
an einer Landschaft
vorbei,
die uns fragte.
Wir hatten lange
Mäntel an
und trugen
fremde Gesichter.
Sträucher flüsterten
uns hinterher,
am Horizont
verblasste violett
eine Linie,
Wind blies Sand
in die Höhe.


Ohne Intervalle

Zerstörung und
Flügelwesen
zeichnete
ich
in den
saugenden Schaum,
ohne die
großen
Intervalle,
durch die du
im schlauen
Geschimmer
eintreten
könntest.

Es gibt
einen letzten
kleinen
Beutel,

den ich
bei
mir
trage.

Der Morgen

Der Morgen war
ein müdes Tier, das sich
an mir
vorbeischlängelte.

Ich sah Wasser,
verschlankte
die Fragezeichen und ließ
den Kopf stehen.
Meine Füße
schwiegen,
würde ich später
eine Antwort sein?

Das Wasser zog sich
zurück
und
bis zum Abend
blieb ich
eine Blume.

Morgentafel

Ein Gesicht
ausschneiden
und eine Blume
ansprechen.
Hinter der
Morgentafel
ein Vogel.
Er trägt
die
Schwingen
der
Ferne.

Irgendwann

Irgendwann
werden wir
zur
Ersthandlung
zurückkehren,

die Hände werden
aus
Baumkörpern
sein,
der
Atem
neu
gehöhlt
und
die
Augen
gerundet
für diese
Weite,

frisch
gefaltet
die Rosen,
geschärft
ihre
Stacheln,
der
Mund.

Lied II, Taube

Am zweiten Tag
das
Gekröse,
wir
können nicht
zur gleichen
Zeit
sein.

Gestern noch
war
Wärme,
aber weißt du,
wie sicher
unser
Nest
blieb?

Gestern
noch
war
das Schimmern
von Blau
und
Rot
bei
dir..


Sternfrei

Das späte Rauschen
des ungefüllten Ufers,
das Knacken der Ecken,
die Verleugnung der
sternfreien Nachtwarte,
redete es noch,
transzendierend
in der Schwingung
der Gärten,
an deren Toren
das Wort
niemals
geschrieben
stand.

Am Rand

Wir
ließen
den Kopf
spielen,

hatten
aber
kein
Brot
dazu

und ich
malte
bei
Wind
das Blau
in unseren
Baum.

Deine
Augen
und
mein Leben
spielten sich
außen,
am
Rand
ab.

Sichtend

Durch
Glas
betrachtet
kennst du nicht
den Duft
einer Blume,
schwinden Nähe und
Ferne in einem,
bleibt zurück
ein Gesicht,
das sich
verkehrt.
Glas
ist
in dir,
Glas
ist
aus
dir.

Ein anderes Mal

Ich komme,
das Lied
zu hören
und es
zu tragen,
was bald der
Himmel
leichter kann.

Ein
anderes
Mal
stürze ich auf
die Wolke
zu und
will sie
festhalten.
Sie
tropft,
ich
fließe.

Der Raum

Über
einem
geschmolzenen
Deckel
wächst
der
Raum,
öffnet seine Ecken.

Hinter den
Schränken
blicken
dich
aus einem
dunklen Spiegel
Augenpaare an.

Stille
Bastschirme
hängen von der Decke
und um einen
Zentimeter
hebt sich
meine
Hand.


An deinem Tisch

An deinem Tisch
pressen
weiße
Luftblumen
schweigenden Zucker
über den roten Rock.
Möglich, dass
in diesem
Funkeln
alles Glas
war,
wie die kleinen
Tannen
in unseren Händen
klirren
und der nächste Mund
offen
das Verschwinden
erklärt.

Nebel, neapelgelb

Setze ich
dein Blau
vor das
geschliffene
Glas,
fängt es
an, mit
Rot und
Violett
zu tanzen,
bis es
als Feuer durch
deine Ledermatten
dringt
und seine Tropfen im
Endlosnebel
Paare bilden,
die zwischen
Höhe und Tiefe
leuchten.
Zeit ist
der unergründliche
Wald
um deine
Schultern.

Change

Ich bette dich in
meine Wolken,
wenn du willst
oder du
verwandelst
mich
in einen
dieser
Äste,
die
immer noch
schwanken,
hölzern
um
den
inneren
Saft.

Erkundung

Erkunde
mir
die Gangarten
des Wirklichen,
du,
versteckt als
Eichhörnchen
im Faltplan des
Lebens
und ich,
den Pfützen
entlang,
das
Seelenfrühstück.

Verhüllung

Nie
gekannte Welt,
im Ganzen
ihr weicher Samt,
ihre Wellen
und der
umschlingende Griff
lassen dich ungedeutet.
Einfacher war
die Verhüllung,
als dein Kopf
die Wirklichkeit neigte,
einer Sekunde
gleichend.


Wassers Schwärze

Wassers Schwärze
spricht goldene Perlen,
ein Spalt nur
entgeht
dem Dröhnen.
Ungefragt.
Was lacht es
hinter dem Vorhang?
In der Tiefe
lag niemals
ein Ohr.
Unter Wasser gurgelt
es grün,
treiben
tönerne Amphoren,
violett
und
dunkel.